Fussballplatz Hechendorf - Bolzplatz

Sportplatz-Foul

Was bewegt Seefeld Magazin 400

Hechendorfer Fußballer ins Abseits gestellt

Oder: Glaubwürdigkeit sieht anders aus oder warum wir jetzt eine Lösung für den TSV brauchen.

„Hechendorf braucht einen Fußballplatz“, so liest man es im ganzen Dorf auf den Plakaten des CSU-Bürgermeisterkandidaten Klaus Kögel. Da hat er inhaltlich völlig Recht. Allein – der Glaube an die Umsetzung fehlt mir, denn seine CSU hätte es in den vergangenen Jahren durchaus in der Hand gehabt. In der Praxis hat die herrschende Mehrheit die Umsetzung immer weiter verzögert und in einer Reihe von problematischen Entscheidungen den Fußballplatz letztlich zu Fall gebracht.

Bereits von Gums Vorgängerin, Ingeborg Bäss, wurde vor über 30 Jahren der Kauf des Grundstücks am Oberfeld, nördlich der beiden Bauernhöfe, für die Gemeinde in die Wege geleitet. Es fiel dann in die ersten Amtshandlungen von Gum, den Notarvertrag zu unterschreiben. Schon damals war die Fläche explizit für die Errichtung eines (Groß-)Feldspielplatzes für den TSV Hechendorf vorgesehen, weswegen das Gebiet auch als zweckgebunden für ein Sportgelände im Flächenplan ausgewiesen war.

Eine ortsbekannte Baufirma hatte in den Nullerjahren ihren Firmensitz im und um den „Kammerloherstadl“ im Außenbereich südlich des Oberfeldes aufgeschlagen. Als der BVS noch im Besitz einer eigenen Meinung war, wurde dies von Gemeinderat Noller regelmäßig kritisiert, aber schon damals wurden abweichende Meinungen im Seefelder Gemeinderat am liebsten ignoriert.

Nicht dass die Situation im Außenbereich irgendwann peinlich geworden wäre, nein es war das Wachstum der Baufirma, das im Jahre 2013 dazu führte, dass in der Gemeinde hektisch nach einer Fläche gesucht wurde. Dies ist per se völlig in Ordnung, denn auch wir sind der Meinung, dass dem örtlichen Gewerbe im Rahmen der Möglichkeiten Raum für Entwicklung gewährt werden muss.

Es gab mehrere Gespräche mit den Interessenten und dem Kreisbaumeister zum o.g. Gelände, wobei damit begonnen wurde, dass die Baufirma Ihren Platzbedarf darlegen sollte. Am Ende stand eine verschachtelte Planung, deren wesentlicher Inhalt war, dass zwar leider ein großer Geländeteil aus dem Landschaftsschutz herausgenommen werden muss, jedoch nur zu einem Teil für Gewerbe. Die Mehrzahl der Flächen sollte der Allgemeinheit zu Gute kommen, mit Feuerwehrhaus, Basketballplatz, Skateranlage und einem Spielfeld für den TSV. Letzteres würde ja nicht mal eine Versiegelung bedeuten. Wir Grünen signalisierten damals, dass wir für einen Herausnahmeantrag aus dem Landschaftsschutz stimmen würden, wenn primär der ursprüngliche Plan einer Widmung für ein Großfeldplatz des TSV Hechendorf umgesetzt würde. Auch mit einem Feuerwehrhaus auf dem Gelände konnten wir uns angesichts der offensichtlichen Notlage der Hechendorfer Feuerwehr in ihrem alten „Schuppen“ anfreunden.

Dem TSV wurde damals versprochen, dass zunächst nur ein Kleinfeldspielfeld am Rand der Gebietes realisiert würde, aber man schon Mittel und Wege finden würde, auf dem benachbarten Gelände die zweite Hälfte des Großfeldplatzes später dazuzubauen. Wir Grüne stimmten letztlich gegen den Herausnahmeantrag, weil wir keine so großflächige Bebauung der Nord-Westseite des Oberfeldes mit Gewerbe wollten, das bislang ausschließlich landwirtschaftlich genutzt wurde, weil uns die verschachtelte Aufteilung nicht überzeugte und wir damals schon höchste Bedenken hatten, ob die zweite Hälfte des Fußballfeldes überhaupt realisiert werden würde. In Rekordzeit wurde dann zunächst die Gewerbebebauung der Baufirma realisiert, die damals schon weiter an das Kleinspielfeld heranrückte als zunächst geplant.
Als im Jahr 2015 eine große Zahl von Asylbewerbern in unser Land kam und in der Folgezeit untergebracht werden musste, beschloss der Gemeinderat am 30.06.15 die Errichtung einer Containeranlage. Es ist nachgerade selbstverständlich, dass die Gemeinde Seefeld ihren Beitrag zu der letztlich vorbildlichen Lösung der Flüchtlingskrise geleistet hat. Nur war der Ort der Errichtung just auf der für die Erweiterung des Fußballfeldes vorgesehenen Fläche Richtung Inninger Straße. Auch wenn die Containeranlage per se ein Provisorium ist, weiß der Volksmund, dass nichts länger lebt als ein solches. Somit war die Erweiterungsoption schon mal in weite Ferne gerückt.

Im Jahr 2016 wurde die Planung des Feuerwehrhauses angegangen. Der große Diskussionspunkt war die Realisierung in einer Variante mit drei oder vier Ausfahrten (Stellplätze mit Tor). Auch unter der Annahme, dass eventuell irgendwann eine Konsolidierung auf weniger als fünf Feuerwehrhäuser eintritt, haben wir Grünen die in unseren Augen nachhaltigere Variante mit 4 Ausfahrten favorisiert und ihr zur Mehrheit verholfen. Dadurch rückte die Mauer der Feuerwehr zwar so nah an das Spielfeld heran, dass man sich fragen musste, wie da noch eine Ecke geschossen werden sollte – siehe Bild – aber es war zumindest eine zukunftsfähige Lösung für die Hechendorfer Feuerwehr erreicht, somit durchaus ein Gewinn für das Allgemeinwohl realisiert.

Am 14.02.17 wurde der Bau an das Seefelder Kommunale Bauunternehmen übertragen (SeeKU), die unter Budget und vor dem Zeitplan, bereits im Herbst 2019, ein wirklich gelungenes Feuerwehrhaus übergeben konnte. Nachdem „unter Budget“ und „vor dem Zeitplan“ Ausdrücke waren, die bis dahin für gemeindliche Bauvorhaben (zumindest in meiner Gemeinderatstätigkeit) nicht wirklich überstrapaziert waren, muss man an dieser Stelle mal ein großes Lob an die zwei fähigen Geschäftsführer des SeeKU, Matthias Riederer und Gerd Schnitzler, aussprechen.

Planungsstand 2017, vor der nochmaligen Erweiterung der Baufirma

Der Schlusspunkt für das Projekt war jedoch die Entscheidung am 10.07.18, der Baufirma eine nochmalige Erweiterung des Gewerbeareals zuzugestehen, auf der im obigen Plan noch für „Jugend und Freizeit“ gekennzeichneten Fläche. Der Skaterpark rutscht damit vor das Rasenspielfeld und drückt dies über 10 m weit zurück in den Hang. Wir Grüne haben mehrfach auf die damit einhergehende schwierige Lage des Feldes hingewiesen, die enormen Kosten, die unklaren Folgekosten bzgl. Hangwasser. Alles kein Problem, die Mehrkosten trägt voll und ganz der Bauwerber, hieß es, wie so oft vor dem Verkauf.
Während sich alle anderen Fraktionen äußerst zufrieden zeigten, dass alle Ansprüche auf dem Gelände befriedigt werden können, waren die Grünen mal wieder die Spielverderber, die von einem nicht mehr auflösbaren Puzzle sprachen und den Tod des Fußballfeldes vorhersagten. Auch wiesen wir darauf hin, dass bei der Kostenübernahme durch einen Bauwerber in der Vergangenheit immer wieder erstaunlicher Weise an der Gemeinde doch ein erklecklicher Teil hängen blieb und Folgekosten ganz unberücksichtigt geblieben waren.

Natürlich musste der Bebauungsplan wieder geändert werden, was ein weiteres Jahr ins Land ziehen ließ. Beim TSV war man inzwischen schon dazu übergegangen, sich nach alternativen Standorten umzusehen und es kam durchaus auch zu etwas uneinheitlichen Außenwirkungen, ob der Platz noch gewünscht wird, oder nicht.
Als man am 21.11.19 nach schlappen 7 Jahren, oder sollte man sagen 29 Jahren nach Widmung, endlich an die Planung des Spielfeldes ging, wurde von der Landschaftsarchitektin Frau Treiber dem Gemeinderat vorgerechnet, dass von den 291.000 € Mehrkosten (auf 860.000 €) gegenüber 2016 der Baufirma nur 110.000 € zugerechnet werden, unter anderem mit dem interessanten Argument, dass Bauleistungen inzwischen einfach allgemein teurer geworden sind. Da fragt sich dann nur, wer für die Verzögerung verantwortlich ist.

Im Januar 2020 ging es dann so aus, wie es kommen musste: Das faktische Aus für das Kleinspielfeld in den ohnehin bescheidenen Abmessungen 60×50 m, da sich die Gemeinde die noch mal gestiegenen Kosten, weil ja die Verschiebung in den Hang die Sache so verkompliziert habe, nicht mehr leisten will. Stattdessen wird eine erneute Verkleinerung auf 50×45 m in Planung gegeben. Von der Zuzahlung durch das Bauunternehmen verabschiedet man sich so implizit auch gleich.

Der TSV erklärt am 4.2.2020, dass er mit einem Feld von 50×45 m nahezu nichts mehr anfangen könne und plädiert gleich, nur einen Bolzplatz mit sparsamstem Kostenrahmen zu bauen. Stattdessen appelliert der TSV an den Gemeinderat, doch eine Planung für einen Großfeldplatz aufzunehmen. Bürgermeister Gum sprach Richtung TSV die erhellenden Schlussworte: „Ja der Platz kommt schon irgendwann – Ihr bleibt’s ja dran, gell?“

Nachdem dem TSV 30 Jahre lang ein Platz am Oberfeld versprochen wurde, er dem TSV nach 23 Jahren Stillstand in den letzten sieben Jahren Entscheidung für Entscheidung durch die CSU dominierte Mehrheit entwunden wurde, um alle anderen, insbesondere Partikularinteressen, zuerst zu bedienen, kann sich der TSV sicher nochmal gedulden und „dran bleiben“. Gell?

Nachdem die vielen Eingaben zum Sportplatz im Gemeindeentwicklungsverfahren leider bislang auch keinen Niederschlag gefunden haben und wir nicht wollen, dass die jetzigen G-Jugend-Spieler in der AH (Alte Herren) spielen, bis der TSV einen Platz erhält, wollen wir Grünen noch im Februar einen Antrag im Gemeinderat stellen, dass die Verwaltung jetzt mit einem verbindlichen Vorgehen für eine Lösung beauftragt wird. Aus unserer Sicht bietet sich hierbei das Scoping-Verfahren nach §4 BauGB an. Es handelt sich dabei wohlgemerkt nicht um ein Auswahlverfahren für verschiedene Flächen, sondern es soll eine realistisch in Frage kommende Fläche (zwischen Feuerwehr und Inninger Str als erste Priorität) mit den wichtigsten Trägern öffentlicher Belange (Gemeinde, Kreisbauamt, untere Naturschutzbehörde, anerkannte Naturschutzverbände, eingeladene Experten etc.) und dem TSV eine realistische Eignung der Flächen geprüft werden.

Möge der Wähler entscheiden, wer an dieser (und anderer) Stelle glaubwürdiger ist.

Dr. Robert Benoist
50, drei Kinder und fünf Stiefkinder, selbstständig
Ich bin langjähriges Mitglied im Gemeinderat in Seefeld und erlaube mir dort eine eigene Meinung, insbesondere wenn es um den Erhalt der Grünzüge, die Begrenzung des Flächenfraßes und um Transparenz und Bürger-Mitbestimmung geht.

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