Großes Gewerbegebiet als Lösung für die Gemeinde Seefeld?

In den letzten Wochen wird der Ruf nach einem neuem Gewerbegebiet in Seefeld immer lauter. Argumentiert wird dies mit klammen Kassen und der Flucht der ansässigen Unternehmen in die Nachbargemeinden. Ein neues Gewerbegebiet brächte dann zusätzliche Gewerbeeinnahmen und würde den Finanzbedarf Seefelds langfristig sichern. So wird dies von den Befürwortern argumentiert.

Wenn man sich etwas intensiver damit beschäftigt und über die Situation Seefelds nachdenkt, kommt man unweigerlich zu dem Schluß dass es nicht ganz so einfach ist.

Bis vor wenigen Jahren sprudelten die Steuereinnahmen dank eines großen Unternehmers in Seefeld ehr üppig. Es ist also nicht das Problem, dass wir zu wenig Gewerbe am Ort haben, sondern dass Unternehmen ihren Steuersitz verlegen können und dann vor Ort deutlich weniger Gewerbesteuer zahlen, Wäre das nicht der Fall, würde vermutlich niemand in Seefeld nach einem neuem Gewerbegebiet rufen. Wer garantiert dass dies neu angesiedelte Unternehmen nicht genauso praktizieren?

Ein neues großes Gewerbegebiet bedingt, dass dort auch Menschen arbeiten. Es ist naheliegend, dass diese früher oder später auch den Wunsch haben werden in der Gemeinde zu wohnen. Der Druck auf die Immobilienpreise würde also zusätzlich erhöht und dies bei einer Situation die jetzt schon kaum für Einheimische finanzierbar ist. Langfristig müssten wir vermutlich auch in Kindergärten, Schule und Hort investieren.

Wo liegen eigentlich die Stärken der Gemeinde Seefeld? Und welche Funktion hat Seefeld für die Menschen im in der Gemeinde, im Landkreis und für die Metropolregion München.

Es ist vermutlich jedem bewußt, dass wir in einer traumhaft schönen Landschaft mit einem hohem Erholungs- und Freizeitwert leben. Nicht umsonst besuchen uns jedes Wochenende so viele Münchner und Ausflügler aus ganz Süddeutschland.

Wir sind eingebettet zwischen Wörthsee und Andechs, haben die Nähe zum Ammersee und den Pilsensee und das Aubachtal vor Ort. Ist das die richtige und sinnvolle Umgebung für großflächige Gewerbegebiete? Wir sind eben nicht mit Gilching oder Gauting vergleichbar auch wenn diese nur ein paar Kilometer entfernt liegen.

Selbstverständlich müssen aber auch wir unsere Gemeinde finanzieren. Wir sollten uns deshalb in aller Ruhe ein tragfähiges und zukunftssicheres Konzept überlegen. Der dumpfe Schrei nach einem 15 ha großem Gewerbegebiet scheint mir zu überhastet und vor allem nicht ausgereift. Wie fast immer sind schnelle und einfache Lösungen in einer komplizierten Welt langfristig nicht der beste Weg.

Was Seefeld benötigt ist Gewerbe mit sehr wenig Flächenverbrauch aber gleichzeitig hohem Potential bzgl. Umsatz und Gewinne. Softwareentwickler z.B benötigen sehr wenig Raum aber haben ein hohes Umsatz und Gewinnpotential.

Diese Unternehmen stehen sicherlich nicht bei uns Schlange. Man muss sie gezielt suchen und sie von Seefeld überzeugen. Thomas Zimmerman unser Bürgermeisterkandidat hat auf Grund seiner langjährigen Tätigkeit in der High-Tech Branche ausreichend Kontakte zu potentiellen Unternehmen. Er weiß als ehemaliger CEO wie diese Unternehmen ticken und kann hier für Seefeld sehr viel positives bewegen.

Weiterhin sollten wir vielleicht auch mal Umdenken und ganz neue Wege gehen. Als Gemeinde des „Fünf-Seen-Lands“ leisten wir jedes Wochenende für die Metropolregion München Unglaubliches. Unsere Region ist eine Erholungsregion in der sich viele Menschen entspannen und Kraft für Ihren Alltag tanken. Viele Anwohner leiden hingegen unter verstopften Verkehrswegen, zugeparkten Wiesen und Einfahrten, Verkehrslärm usw. 

Die Stadt München erhebt auf Grund Ihrer Beliebtheit bei Unternehmen einen Gewerbesteuerhebesatz von 490. In Seefeld verlangen wir hingegen nur 290 (Stand 2018). München ist bei Unternehmen unter anderem so beliebt weil im Umland wunderschöne intakte Natur vorhanden ist in dem sich die Menschen so toll erholen können. Ich bin der Meinung in einer Symbiose sollten beide Parteien gleichermaßen profitieren.

Ich wünsche mir dass wir uns mit den umliegenden Gemeinden zusammenschließen, um mit der Stadt München und dem Freistaat Bayern, über einen finanziellen Ausgleich für unsere Funktion als Erholungsregion und den Erhalt unserer Natur zu sprechen. Das mag auf den ersten Blick naiv klingen aber welches Argument spricht eigentlich dagegen? 

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