Klinikum Seefeld – Quo vadis?

Vielen Bürgern im Landkreis/der Gemeinde Seefeld ist immer noch nicht klar, warum nicht beide alten Klinikstandorte, in Seefeld und Herrsching erhalten werden können. Für den Standort Seefeld sah das lange so aus (Stand 2017) https://www.merkur.de/lokales/starnberg/seefeld-ort29435/klinik-seefeld-sind-jetzt-naechsten-schritte-8704374.html). Ein Umbau wurde angedacht (Stand 2018). Dann stand 2019 erstmals das Aus für den Standort in der Ortsmitte im Raum. Selbstverständlich ist eine professionelle ärztliche Nahversorgung unbedingt nötig, diese haben wir aktuell laut KVB aber gegeben:

Chirurgen, Orthopäden (Überversorgung über 140%):
https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Niederlassung/Niederlassungssuche/KVB-Uebersicht-Niederlassungsmoeglichkeiten-Chirurgen-Orthopaeden.pdf

Radiologien (Überversorgung bis 140%):
https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Niederlassung/Niederlassungssuche/KVB-Uebersicht-Niederlassungsmoeglichkeiten-Radiologen.pdf

Internisten (Überversorgung über 140%):
https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Niederlassung/Niederlassungssuche/KVB-Uebersicht-Niederlassungsmoeglichkeiten-Internisten.pdf

Zudem gibt es professionelle Ansätze und Konzepte, um auch Krankenhäuser unter 200 Betten für die Zukunft fit zu machen. Die Universität Bayreuth legte 2018 eine Studie zur Umwandlung kleiner, ländlicher Kliniken in Intersektorale Gesundheitszentren vor: das ambulante Angebot bleibt erhalten, die Qualität steigt, der jeweilige medizinische Bedarf der Bevölkerung wird berücksichtigt – immer unter der Prämisse der wirtschaftlichen Tragfähigkeit (IGZ Gutachten als PDF).

Leider wurde meiner Meinung und meines Kenntnisstandes nach und aus der Sicht der Bürger*innen der dritte vor dem ersten Schritt gemacht: Während nicht transparent nachvollziehbar ist, warum der alte Standort in Seefeld aus dem Rennen ist, haben sich das bayerische Gesundheitsministerium und der Landkreis bereits auf eine Zusammenführung der Kliniken Seefeld und Herrsching festgelegt. Außerdem erfolgte die Festlegung auf den westlichen Landkreis, zudem auch beide Gemeinden gehören. Der bisherige Standort in Herrsching wird noch geprüft. Aus Sicht des Flächenverbrauchs können wir nur hoffen, dass die Wahl auf die Schindlbeck-Klinik fällt, andernfalls ist tatsächlich mit einem Neubau auf der grünen Wiese zu rechnen – wofür mir noch die Daten für die Notwendigkeit fehlen.
Klar ist: Auch die Gemeinde Seefeld wurde mit der Suche und Prüfung möglicher neuer Klinikstandorte beauftragt!

Auf der letzten Gemeinderatssitzung am 6. Oktober berichtete Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel, dass eine Auswahl möglicher Flächen erstellt und den Fachbehörden zur Beurteilung vorgelegt wird. Dass dabei die Möglichkeit kommunalübergreifender Lösungen berücksichtigt werden soll, ist zu begrüßen.

Allerdings hat uns die Fachbehördenprüfung zur Beurteilung der Gewerbestandorte zwei Dinge klar vor Augen geführt:

Eine fehlende Anbindung sowie eine Lage im Landschaftsschutzgebiet sind für eine Bebauung quasi Ausschlusskriterien, zudem hat der OT Seefeld Probleme mit der Ableitung von Niederschlagswasser – ebenfalls ein gewichtiges Ausschlusskriterium. Diese Mängel zu beseitigen wird viel Geld und Zeit kosten. Haben der Landkreis und die Klinik-Holding so viel Zeit? Der Finanzplan des Landkreises, der 80 Millionen Euro für die Zusammenlegung des Klinikums Seefeld mit der Schindlbeck-Klinik in Herrsching vorsieht, reicht aktuell nur bis 2025 und beinhaltet immerhin 50 Prozent Fördergelder vom Staat.

Damit wird deutlich: eine Standortwahl für einen Neubau zugunsten Seefelds wäre in dieser Gemengelage eine faustdicke Überraschung. Falls Seefeld und Herrsching und noch weitere Gemeinden sich als ungeeignet erweisen, sollte sich die Klinik-Holding vielleicht doch ein alternatives Konzept für die alten Kliniken überlegen – damit wären wir dann wieder bei Schritt 1. Und bitte diesmal mit den Bürger*innen.

Fragen, die wir uns alle stellen sollten: Wie soll die Kliniklandschaft der Zukunft aussehen im westlichen Landkreis? Brauchen wir eine Veränderung in diesem Bereich?

So gibt es meines Wissen keine Bedarfs-Studie, die den nötigen Bedarf des westlichen Landkreises Starnberg aufzeigt. Auf der einen Seite haben wir eine Klinik, die das Personal für 72 Betten und OP-Säle nicht stemmen kann, auf der anderen Seite soll eine neue Klinik entstehen, die drei mal so groß ist.

Der bisher kommunizierte Grund hierfür: Kliniken unter 100 Betten sind nicht rentabel (für wen?) – Studien der letzen Jahre zeigen auf, dass über 60% der Kliniken in Bayern defizitär sind. Bildung und medizinische Grundversorgung sollten hier nicht unbedingt gewinnorientiert arbeiten müssen – schon gar nicht in aktuellen Zeiten, wo das fast unmöglich ist – außer man geht den Weg, der in dem IGZ-Gutachten aufgezeigt wird?

Der Standort: Auch eine neutral gesehene Standort-Analyse konnte ich noch nicht einsehen. So besteht der westliche Landkreis Starnberg aus den Gemeinden Herrsching, Seefeld, Weßling, Inning, Andechs und Wörthsee. Wenn man sich beispielhaft die Verkehrsanbindung ansieht, gäbe es hier meines Erachtens bessere Standorte, falls die Häuser Herrsching und Seefeld nicht haltbar sind.

Öffentliche Belange müssen auch in der Öffentlichkeit besprochen werden. Dieses ortsverändernde Thema muss in dem von der Gemeinde beauftragten Ortsentwicklungskonzept eingebunden werden.

Für das Krankenhaus benötigen wir eine Lösung, die den westlichen Starnberger Landkreis am besten versorgt, und eben diesen komplett mit in die Entscheidungen einbindet.

Ich habe mir erlaubt, eine Sammlung an Presse-, Fachpresse-Artikeln und Bekanntmachungen übersichtlich auf einer Seite zu veröffentlichen:

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